Revolutioniert Blockchain Logistikprozesse? Der Rückblick aufs Meetup.

Neben der Finanzbranche bieten Supply Chain Management und Transportlogistik viele Potenziale für den Einsatz der Blockchain-Technologie. Der Grund ist einfach: schon ein simpler Frachtgutversand von Hamburg nach Los Angeles erfordert die Einbindung einer Vielzahl von Dienstleistern, die ihre Geschäfte größtenteils noch im Papierformat abwickeln. Darüber hinaus ist nicht immer klar, was sich genau in welchem Container befindet oder ob etwa bei Versand-Medikamenten kritische Temperaturen eingehalten werden konnten. Mehr als 80 Interessierte folgten der Einladung des Innovationsforums Blockchain (in Zusammenarbeit mit der Handelskammer Hamburg, der Logistik-Initiative Hamburg e.V., der Bundesvereinigung Logistik sowie der Deutschen Verkehrs-Zeitung ) zum Meetup auf den Innovationscampus der Handelskammer.

Zu Beginn erläuterte Frank Bolten von der CHAINSTEP GmbH Grundlagen der Blockchain-Technologie und gab Einblicke in die Funktionsweise von Smart Contracts sowie wichtiger Logistik-Usecases.

Martin Araman (Sovereign Speed GmbH) skizzierte in seinem Vortrag die Herausforderungen bei der Frachtbrief-Absicherung via Blockchain in der Luftfrachtlogistik.

Florian Seffert (Imperial Logistics International B. V. & Co. KG) präsentierte mit dem Projekt Freightchain ein Supply Chain Protokoll auf der Blockchain und damit eine Möglichkeit zur transaktionalen Sicherung logistischer Prozesse.

Der Abend endete mit einer von Harald Ehren, dem Chefredakteur der Deutschen Verkehrs-Zeitung, moderierten Diskussionsrunde zum Themenkomplex, an der neben den Sprechern noch Dieter Spark (DAKOSY) und Hendrik Roreger (HPA) teilnahmen.

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Blockchain in Liefer- und Logistikketten – Innovationsforum Blockchain Meetup 12.9.17, Hamburg

Die Blockchain-Technologie heute ist etwa vergleichbar mit dem Stand des Internets von 1991. Wir alle wissen, wie rasant der Wandel danach war. Aber die Blockchain wird schnell erwachsen und hegt noch größere Potenziale für viele Branchen. Gerade die Logistikbranche hat noch einige Digitalisierungsaufgaben zu erledigen – Stichworte sind hier etwa der Aufbau autonomer Systeme, die Renovierung der IT-Infrastruktur, eine verbesserte Datenerhebung sowie die Integration von Assistenzsystemen wie Augmented oder Virtual Reality.

Auch deshalb widmet sich das nächste Meetup des „Innovationsforum Blockchain“ am 12. September ab 18.30 Uhr in den Räumen des HKIC Handelskammer InnovationsCampus (Adolphsplatz 6, Hamburg) der Logistikwelt.

Diesmal freuen wir uns auf Frank Bolten von unserem Partner CHAINSTEP. Zur Einführung in den Abend spricht er über Blockchain-Technologie & Logistik-Usecases. Frank wird die wichtigsten Praxisbeispiele aus den Bereichen Supply Chain Management und Transportlogistik vorstellen. Unter anderem von Techgiganten wie IBM, der zusammen mit dem weltgrößten Container-Reeder Maersk an Blockchain-Lösungen arbeiet. Auch der Handelskonzern Walmart setzt bei der Erforschung der Blockchain auf die Expertise von IBM. Microsoft positioniert sich ebenfalls im Supply Chain-Umfeld. Durch RFID, Bluetooth oder GPS Sensoren generierte Daten werden in dem Projekt über die Blockchain abgesichert und helfen, Kosten für Audits, Versicherungen, Finanzierungen oder Schadensersatz zu minimieren.

Martin Araman von der Sovereign Speed GmbH. spricht über ungelöste Probleme im Bereich Transport und Logistik. Insbesondere bei Speditionen ist die manipulationssichere Übermittlung aller Arten von Informationen an die beteiligten Parteien entlang der Logistikkette wichtig. Obwohl zahlreiche Softwarelösungen und Schnittstellen vorhanden sind, gibt es kaum einheitliche Standards, so dass Interoperabilität nur sehr selten erreicht werden kann. Automatisierte verkehrsübergreifende Prozesse sind  kaum möglich und letztlich fehlt es vielfach an Datentransparenz, was wiederum Transportverzögerungen und Milliardenkosten zur Folge hat. Das neue Hamburger Förderprojekt “HANSEBLOC” widmet sich exakt jenen Herausforderungen.

Von Imperial Logistics International spricht Florian Seffert über das Projekt Freightchain und transaktionale Sicherheit für logistische Prozesse.

Moderiert wird der Abend von Harald Ehren, Chefredakteur der Deutsche Verkehrs-Zeitung, eine seit 1947 erscheinende Fachzeitung der Transport- und Logistikbranche.

Hier geht es zur unserer Meetup-Gruppe. Derzeit sind alle Plätze vergeben, eine Warteliste ist aktiv.

Aktuell sind noch über die Logistik-Initiative Hamburg e.V. bis zum 4. September Anmeldungen möglich.

Blockchain – programmiertes Vertrauen

Digitale Werte direkt – also ohne Nutzung einer zwischengeschalteten Instanz wie einer Bank – an einen beliebigen Ort auf der Welt übermitteln. Die Echtheit eines Diamanten und die bisherigen Besitzer zweifelsfrei nachvollziehen können. Sicherstellen, dass ein lebenswichtiges Medikament echt ist und keine Fälschung. Auf einem Privathaus erzeugte, überschüssige Solarenergie automatisch an den meistbietenden Abnehmer in der Nachbarschaft verkaufen. Dies und vieles mehr sind mögliche Anwendungen der Blockchain-Technologie.

Das Prinzip hinter Blockchain: Transaktionen werden lückenlos, sauber hintereinander aufgelistet – quasi in einer Kette. Jede Transaktion wird mit einem Zeitstempel versehen und durch kryptologische Verfahren abgesichert. Dabei liegen diese Datenketten identisch auf einer Vielzahl von dezentralen Rechnersystemen vor, was Fälschungen praktisch unmöglich macht.

Dieses ausgeklügelte Prinzip macht die Blockchain-Technologie zu einem leistungsfähigen Werkzeug in einer Vielzahl von denkbaren Einsatzszenarien – von Anwendungen im Finanz- und Buchhaltungsbereich über Registrierungen aller Art (etwa Geburtsurkunden, Grundstückregister, Wahlberechtigungen etc.), im Vertragsbereich (auch über mehrere Parteien hinweg), bei Versicherungen, im Gesundheitswesen, im Bildungswesen, bei Lieferketten bis hin zum „Internet der Dinge“.

Bereits Ende Oktober 2015 titelte The Economist: „The trust machine“ und brachte damit ein wesentliches Ziel der Blockchain-Technologie auf den Punkt: Gewährleistung von Vertrauen.

Wie funktioniert die Blockchain-Technologie?

Zum Verständnis der Technologie und der Entwicklung in den letzten Jahren hilft ein genauerer Blick auf die Grundlagen der Kryptowährung „Bitcoin“.In dem Whitepaper von 2008 wurde das Ziel erläutert: die Übertragung einer dezentralen digitalen Währung direkt, also ohne die Nutzung eines „Mittelmannes“ (auch „Intermediär“ genannt), von einem Internetnutzer zum anderen, zu ermöglichen. Werte sollen überwiesen werden können, ohne eine Instanz wie eine Bank dazwischen zu schalten.

Das uns bekannte Internet stößt bei dieser Aufgabe an seine Grenzen. Denn wenn A an B einen Datensatz (Text, Bild, Musikdatei oder ähnliches) über das Internet-Protokoll verschickt, dann verfügen anschließend beide (also A und B) über eine identische Kopie dieser Datei. Für eine eindeutige und verbindliche Übertragung eines wie auch immer gearteten Wertes (auch wenn dieser „nur“ ein Datensatz ist) taugt dieses Konzept daher nicht. Es wird also eine Alternative benötigt.

Eine geeignete Lösung entwickelte eine bisher nicht zweifelsfrei identifizierte Person beziehungsweise Personengruppe, die unter dem Pseudonym Satoshi Nakamoto auftrat – nämlich Bitcoin. Die Grundidee hinter dieser digitalen Währung ist ein „Peer-to-Peer-Dateisystem“, bei dem alle Transaktionen in einer Art verteiltem Hauptbuch auf allen Knotenpunkten (Computern) des Peer-to-Peer-Netzwerkes identisch chronologisch archiviert und in Klarschrift lesbar sind. In diesem Hauptbuch ist jederzeit eindeutig nachlesbar, wann wer (beziehungsweise welche anonyme Adresse) an wen (beziehungsweise an welche andere anonyme Adresse) welchen Bitcoin-Betrag übertragen hat.

Um dieses Verfahren wirklich fälschungssicher zu machen, besitzt es eine geniale, vielschichtige Architektur: Wird eine Bitcoin-Transaktion veranlasst (A möchte an B x Bitcoin übertragen), so wird diese neben anderen Transaktionen zur Verifizierung in einen „Block“ abgelegt. Die Inhalte des Blocks werden mittels Kryptologie gegen Zugriffe geschützt und durch am Netzwerk beteiligte Knotenpunkte (so genannte „Miner“) über komplexe mathematische Verfahren auf Echtheit überprüft. So wird beispielsweise sichergestellt, dass der „Sender“ der Bitcoin zum Zeitpunkt der Transaktion auch tatsächlich im Besitz der Bitcoin ist. Hierbei ist eine Vielzahl von Minern aktiv – und erst wenn die Mehrheit der Miner die jeweilige Verifizierung bestätigt hat, erlangt der Block und damit die darin enthaltenen Transaktionen Gültigkeit.

Jeder neu bestätigte Block wird als eine Art Kettenglied an den direkt zuvor bestätigten Block angehängt – so erklärt sich auch der Name Blockchain (von englisch „chain“, deutsch: Kette). Genau die Kombination der Bestätigung von Echtheit beziehungsweise Gültigkeit eines Blocks durch die Mehrzahl der Miner sowie das chronologische Aneinanderketten der Blöcke ist die Grundlage für die Sicherheit der Daten. Tatsächlich ist es in acht Jahren noch niemandem gelungen, bei der Bitcoin-Blockchain, Transaktionen im Nachhinein zu verändern.

Wachsende Bedenken gegenüber Intermediären

Wichtiger Auslöser für die Entwicklung der Blockchain-Technologie war mutmaßlich das aufkommende Misstrauen in Intermediäre – zur Zeit der Finanzkrise vor allem das Misstrauen in die Finanzwirtschaft. Zwar sind Internet-Nutzer an den Einsatz verschiedener Intermediäre von Bezahldiensten über Marktplätze und Vermittlungsplattformen bis hin zu Social-Media-Diensten gewöhnt und schätzen auch oft den von ihnen angebotenen Nutzungskomfort. Aber parallel zur steigenden Bedeutung der verschiedenen Plattformen wuchsen auch die Bedenken gegenüber Intermediären.

Einerseits wird beklagt, dass die Intermediäre oft hohe (Transaktions-) Gebühren abschöpfen und über strikte Regelwerke den Handlungsspielraum von Anbietern und Nachfragern einengen. Andererseits gibt es Bedenken bezüglich Datensicherheit (zum Beispiel durch einen Hacker-Angriff auf zentral vom Intermediär verwalteten Daten) und Privatheit (die Nutzer der Plattformen wissen teilweise gar nicht, in welcher Form und zu welchem Zweck die durch sie generierten Daten ausgewertet und monetarisiert werden).

Dies führte dazu, dass die hinter der Kryptowährung Bitcoin stehende Blockchain-Technologie auch für andere Anwendungen in den Fokus rückte. Denn das „Gewährleisten von Vertrauen“ als wesentlicher Nutzen der Blockchain-Technologie muss nicht auf digitale Währungen beschränkt bleiben.

Entwicklung von Blockchain-Plattformen

Die Blockchain-Technologie lässt sich zur Steuerung und Realisation von Unternehmensprozessen nutzen. Dies ruft auch die führenden IT-Konzerne auf den Plan. Die stetig wachsende Zahl von Prozessoptimierungen und Ideen für ganz neue Geschäftsmodelle auf Basis der Blockchain-Technologie lässt das Interesse weiter wachsen. Inzwischen existiert eine Vielzahl von Blockchain-Konzepten mit unterschiedlichem Fokus und teilweise mit weiteren Leistungsmerkmalen.

Eine besondere Bedeutung wird der Plattform „Ethereum“ zugeschrieben. Der Begründer von Ethereum, der 1994 geborene Vitalik Buterin, hatte sich mehrere Jahre intensiv mit der Kryptowährung Bitcoin beschäftigt und erkannt, dass in der ihr zu Grunde liegenden Blockchain-Technologie enormes Potential liegt, das weit über den Einsatz für digitale Währungen hinausgeht.

Ethereum beinhaltet eine komplette „universal touring complete programming language“ – eine Programmiersprache, mit der sich unter anderem auf dem Blockchain-Prinzip aufsetzende „Smart Contracts“ programmieren lassen. Auf diese Weise werden, ähnlich wie in Verträgen, Vereinbarungen zwischen Parteien getroffen, deren Inhalt jedoch kein Vertragspapier mit Paragrafen, sondern ein abgestimmter, selbst ablaufender Computer-Code ist. Wird hierbei auf eine schriftliche Fixierung in klassischer Vertragsform verzichtet, entstehen unter Umständen neue juristische Fragestellungen, die an dieser Stelle jedoch nicht erörtert werden sollen. Dezentrale Anwendungen („decentralized applications“, DAPPs) können diese Protokolle dann für Transaktionen oder Prozess-Abwicklungen nutzen. Bereits heute ist abzusehen, dass durch Möglichkeiten, wie sie Ethereum bietet, das Potenzial der Blockchain-Technologie nochmals erheblich wächst.

Einsatzgebiete der Blockchain-Technologie

Die Blockchain-Technologie bietet ein ganzes Bündel an Leistungen, die Grundlage für das „Gewährleisten von Vertrauen“ sind – unter anderem zum Beispiel:

  • Transparenz
  • Verschlüsselung
  • Unveränderbarkeit
  • Eindeutigkeit
  • Authentizität

Für die Blockchain-Technologie gibt es vielfältige Einsatzmöglichkeiten – das Prinzip wird immer dann interessant, wenn die Zuordnung eines Wertes oder einer Eigenschaft zu einer Institution / Person / Adresse eineindeutig festgestellt und/oder gesichert verändert werden soll.

Ausblick

Zum Einsatz der Blockchain-Technologie bilden sich immer deutlicher zwei grundsätzlich verschiedene Philosophien heraus: Die Vertreter von Bitcoin und weiteren Kryptowährungen forcieren eher einen libertären/revolutionären Ansatz. Im Vordergrund steht hier Disruption, die teilweise auch bestehende Machtstrukturen auflösen soll (zum Beispiel durch die Ablösung der Intermediäre), und die Änderung des Status Quo. Basis hier ist in der Regel eine „public“ Blockchain.

Auf der anderen Seite versuchen die heutigen Platzhirsche zu verstehen, wie sie mit Hilfe dieser Technologie ihre bisherige Position ausbauen können. Bei diesem eher technokratischen/evolutionären Ansatz wird analysiert, wie bestehende Unternehmen und Institutionen die Effizienzvorteile und neuen Möglichkeiten der Blockchain-Technologie für ihre Geschäftsmodelle und die dazugehörigen Prozesse nutzen können. Meist kommt hier eine „private“ oder „permission-“ Blockchain zum Einsatz, da die Betreiber die Teilnehmer an dem genutzten Netzwerk im Vorfeld kennen möchten. Da bei der Blockchain-Technologie eine wichtige Grundlage der öffentliche Konsensprozess ist, ist allerdings umstritten, ob solche Beispiele wirklich Blockchain-Anwendung im originären Sinne sind. Für viele „interne“ Anwendungen kann aber dieses auch als „Distributed Ledger Technology“ (DLT) bezeichnete Verfahren jedoch genau der richtige Weg sein und viele Vorteile gegenüber herkömmlichen Verfahren bieten.

Wer auch immer sich hinter dem Pseudonym „Satoshi Nakamoto“ verbirgt, verfolgte bei der Entwicklung von Bitcoin sicher eher den revolutionären Ansatz. Durch das inzwischen deutlich gewachsene Verständnis der dahinter stehenden Blockchain-Technologie werden jedoch auch in den eher unspektakulären Prozesswelten von Unternehmen enorme Potenziale sichtbar.

Und genau damit wollen wir uns im Rahmen des Innovationsforums Blockchain beschäftigen. Welche Auswirkungen und Möglichkeiten hat die Technologie auf die Geschäftsmodelle insbesondere im Mittelstand in Deutschland? Wir wollen gemeinsam anwendungsbezogen Potentiale entdecken und fördern. Sprecht uns gerne an, besucht uns bei unseren Meetups und natürlich kommt auf unseren Kongress am 14.-15. November in Hamburg.

Blockchain in Banking & Finance – Rückblick aufs Auftaktmeetup

Wer Werte in unseren althergebrachten Zahlungssystemen transferieren möchte, benötigt dazu immer eine zentrale Instanz, wie eine Bank oder einen Service wie Paypal. Sender und Empfänger müssen dieser Instanz als Intermediär vertrauen und tun das bereitwillig. Die Ansprüche an Sicherheit und Zuverlässigkeit sind hoch, die etablierten Systeme funktionieren entsprechend gut. Schließlich geht es um Geld und Werte und damit um Dinge, bei denen der Spaß im Zweifelsfall schnell vorbei ist. Mit der Blockchain Technologie hat sich ein “Gamechanger” in die Finanzwelt eingebracht, der den gesamten Status Quo zumindest in der Theorie in Frage stellt. Bewährte Geschäftsmodelle erscheinen auf einmal gar nicht mehr so zukunftssicher und wasserdicht. Auf der anderen Seite erleben wir gerade eine auf vielen Ebenen atemberaubende Entwicklung die sich anschickt mit Ideen und Möglichkeiten um die Ecke zu kommen, die bisher für unmöglich gehalten wurden. Mit diesem Szenario gingen wir mit unseren über 70 Gästen in unser Premiere- bzw. Auftaktmeetup.

Hype oder Game-Changer?

Bei Moritz Gerdes von comdirect ging es im ersten Beitrag dann auch gleich um Blockchain-basierte Innovationen und Zukunftsszenarien der Banken. Selbige stehen in diesen Tagen nicht zuletzt durch niedrige Zinsen, schärfere Regulatorik, aufkeimende Startups und Digitalisierung schon ausreichend unter Druck. Und jetzt kommt die disruptive Blockchain-Technologie hinzu.

Blockchain bietet aber auch große Chancen. Die Technologie hilft, Transaktionskosten zu minimieren und kann zu effizienteren Märkten führen. Wenn sich der Hype bewahrheitet, stehen Einsparpotenziale von etlichen Milliarden Euro pro Jahr für die Banken im Raum. Das aus vielen namhaften Großbanken bestehende R3 Consortium forscht seit einiger Zeit mit dem Projekt Corda daran, internationale Finanztransfers billiger und effizienter zu machen.  comdirekt arbeitet selbst an einem Blockchain-Usecase für Peer-to-Peer Trading von CFDs mit Risikobegrenzung. Teilnehmer können Finanzkontrakte selbst emittieren und ohne Intermediär untereinander direkt handeln. Der erste Test lief auf Ethereum, was sich jedoch als nicht perfomant genug erwies, die zweite Testreihe wird über die von Linux und IBM unterstützte Hyperledger-Blockchain abgewickelt.

Durch die besondere Eigenschaften ist die Blockchain-Technologie insgesamt für den Einsatz in der Finanzbranche prädestiniert. In der Theorie ließen sich durch die verbesserte Sicherheitsarchitektur operative Prozesse vereinfachen, dennoch sind noch einige regulatorische Hürden zu überwinden.

Sind Smart Contracts Recht?

Smart Contracts sind zweierlei, je nachdem ob man sie aus Richtung der IT oder aus Richtung des Rechts betrachtet. Dr. Jörn Heckmann, Rechtsanwalt beim Gastgeber des Meetups, CMS Hasche Sigle, erkennt die Notwendigkeit dieser Unterscheidung hin. Nicht alles was technisch möglich ist, ist durch geltendes Recht legitimiert. Die Digitalisierung stößt generell in Bereiche vor, in die die Rechtsprechung noch nicht vorgedrungen ist und die Blockchain macht da keine Ausnahme. Ein Smart Contract, der bei Erfüllung von Bedingungen von zwei Vertragsparteien eine Transaktion auslöst, ist schlussendlich Legislative und Exekutive in einer Instanz. In einer Gesellschaft, in der wir an dieser Stelle bewusst eine Trennung fordern, wirft diese Erkenntnis den Wunsch nach Regulierung auf. Auch die Frage nach Datenschutz stellt sich. Alles was einmal in eine Blockchain geschrieben wurde steht dort tendenziell bis in alle Ewigkeit. Ein Smart Contract auf Ethereum verschwindet nicht, wenn der Rechner ausgeschaltet wird. Er besteht unveränderlich weiter, auch wenn sich vielleicht die Umstände geändert haben. Allerdings sind Smart Contracts der logische nächste Schritt in einer Welt, in der Verträge digitalisiert und automatisiert werden.

Wie effizient ist das derzeitige Zahlungssystem?

Prof. Dr. Philipp Sandner leitet das Frankfurt School Blockchain Center an der Frankfurt School of Finance & Management. Ihn beschäftigt der Umstand, dass mit der Blockchain und den Kryptowährungen ein neues Finanzsystem ohne Regulierung entstanden ist, in dem auch zusätzlich Maschinen untereinander handeln können. Transaktionskosten gehen potenziell gegen Null, Kryptowährungen konvergieren in die reale Welt, Startups sammeln mit Crowdfunding bzw. ICOs wahnsinniges Kapital für ihre Ideen ein, auch wenn in manchen Fällen nur ein Konzept präsentiert wurde. Insgesamt müssen Banken und Intermediäre ihre Geschäftsmodelle überdenken, wenn sie Teil dieser Entwicklung sein möchten. Die Wege von Kapital verschieben sich. Geld fließt in Größenordnungen in Kryptowährungen, dass diese mit ihrer Kapitalisierung mittlerweile im DAX mitspielen könnten:

Insgesamt lassen sich weite Teile der Betriebswirtschaftslehre automatisieren. Viele Proof of Concepts entwickeln sich in Bereichen wie Prozessoptimierung, Verwaltung von digitalen Assets und nicht zuletzt im Bereich von Informationsspeicherung und Validierung (Stichwort Know your Customer KYC). Aber auch wenn die Freiheit und die Erfolge von Kryptowährungen und ICOs derzeit beachtlich sind, so sind bestehende Rechtssicherheit und Stabilität nicht unbedingt Nachteile. Überregulierung ist indes innovationsfeindlich.

Große Diskussion

Die anschließende Paneldiskussion, die Fragen der Gäste und die Bereitschaft zur Diskussion zeigten den Wunsch aller, sich mit der Blockchain bewusst, mit inhaltlicher Tiefe und auch kritisch auseinanderzusetzen. Als Innovationsforum wünschen wir uns genau diesen Austausch und bedanken uns hiermit nochmal bei allen Gästen, unseren großartigen Sprechern Moritz Gerdes, Dr. Jörn Heckmann, Prof. Dr. Philipp Sandner und unserem Moderator Frank Bolten. Und ein großes Dankeschön an CMS Hasche Sigle Hamburg für die Gastfreundschaft.

 

Mitschnitte der Vorträge des Abends

Blockchain + Banking – Innovationsforum Blockchain Meetup 29.6.17, Hamburg

Wer schon ein klein wenig von der Blockchain-Technologie versteht, kommt schnell auf viele Usecases im Finanzbereich. Kein Wunder, denn die Mutter aller Blockchains, Bitcoin, sorgt nach wie vor mit seinen Kursrallyes und den Möglichkeiten, Bankdienstleistungen auch in unterentwickelte Länder zu bringen, für Schlagzeilen. Auch deshalb widmet sich das erste Meetup des „Innovationsforum Blockchain“ am 29 Juni ab 18 Uhr in den Räumen der Rechtsbertung CMS Hasche Sigle (Stadthausbrücke 3-7, Hamburg) der Finanzwelt.

Wir freuen uns sehr, Prof. Dr. Philipp Sandner von der Frankfurt School of Finance als Speaker begrüßen zu dürfen. Er spricht beim Meetup zum Thema Zahlungssysteme. Hier sorgte zuletzt vor allem Ripple durch Hinzunahme von zehn weiteren Banken und Finanzdienstleistern Ende April diesen Jahres für Aufsehen. Als Alternative für das internationale Interbanken-Settlement senkt die Firma mit Büros in den USA, UK, Luxemburg und Australien durch den Einsatz von Blockchain die Kosten für den internationalen Zahlungsverkehr und arbeitet an der Vision, den Austausch von Werten mit denen von Kommunikation (beispielsweise in Echtzeit bei Twitter) im Internet of Value (IoV) auf eine Stufe zu stellen.

Moritz Gerdes von der comdirect Bank AG referiert am Abend zu Geschäftsmodellinnovationen.  Einerseits schließen sich etablierte Player bereits in Konsortien wie R3 zusammen, um den Einsatz von Blockchain voranzutreiben. Zuletzt verließen aber einige namhafte Banken den Zusammenschluss und es bleibt abzuwarten, welche Implementierungen das Konsortium tatsächlich realisieren wird. Im Consumerbereich drängen branchenfremde Technologieanbieter wie Abra in die Welt der Banken vor – derzeit jedoch völlig frei von regulatorischen Auflagen. Durch den kombinierten Einsatz einer Smartphone-Wallet-App, der Zusammenarbeit mit lokalen Wechselstuben/Händlern und dem Bitcoin-Netzwerkes geraten „Platzhirsche“ wie Western Union bereits unter Druck.

Von der gastgebenden Kanzlei CMS spricht Dr. Jörn Heckmann über Smart Contracts. Auch hier ist zuerst die Enterprise Etherum Alliance zu nennen, in der sich knapp 90 Firmen und Startups aus den Bereichen Technik, Consulting und Finanzen zusammengeschlossen haben, um den Einsatz dieser selbtsablaufenden und nicht stoppbaren Programme im Enterprise-Bereich zu prüfen. Æternity denkt die Smart Contracts noch sehr viel weiter: Durch die Hinzunahme von Orakeln (externe Daten oder Verifikationen) können Blockchains noch für viele weitere Branchen und Anwendungsfälle relevantwerden. Es bleibt abzuwarten, ob Ethereum wie geplant im Sommer/Herbst weitere Entwicklungsschritte folgen lassen kann und die Technik weiter popularisiert.

Moderiert wird der Abend von Frank Bolten von der Chainstep GmbH. Die Firma ist seit Start des „Innovationsforum Blockchain“ als Partner dabei und unterstützt uns mit aktuellen Usecases und bei der Entwicklung von Branchen-Metriken.

Hier geht es zur Anmeldung für das Meetup.

Hello, world – Das Innovationsforum Blockchain startet

Das „Innovationsforum Blockchain“ ist da. Wir werden vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert und unterstützen kleine und mittlere Unternehmen (KMUs) dabei, die Potenziale der Blockhain-Technologie für ihre Produktentwicklung und zukünftigen Geschäftsmodelle in mehreren Meetups und einem zweitägigen Kongress kennenzulernen. Wir hoffen, in dieser Zeit zu konkreten Projekten und dauerhaft engen Kooperationen inspirieren zu können.

Warum Blockchain?

Die Blockchain-Technologie ist ein Ansatz zur Automatisierung von Geschäftsprozessen mit einer garantierten Ausführung. Ein digitales und kryptographisch abgesichertes „Kassenbuch“ erlaubt den Austausch von Werten auf Basis von Peer-to-peer. Die Beteiligten müssen sich dank des einprogrammierten Vertrauens nicht kennen. Dadurch werden völlig neue Geschäftsmodelle, bis hin zu zwischen Maschinen ausgehandelte „Smart Contracts“ möglich.

Das kann den deutschen Mittelstand nicht kalt lassen. Gemeinhin wird viel von der Digitalisierung gesprochen, die Blockchain bietet in Kombination mit dem Innovationsforum konkrete Möglichkeiten, Deutschland fit in Hightech zu machen und die digitale Zukunft aktiv zu gestalten. Während sich die Blockchain-Welt in den letzten Monaten rasant weiterentwickelt hat, müht sich die Wirtschaft, bei der Entwicklung neuer Geschäftsfelder Schritt zu halten.

Warum Innovationsforen?

Mit dem Zehn-Punkte-Programm „Vorfahrt für den Mittelstand“ fördert das Bundesforschungsministerium KMU bei der Entwicklung neuer Ideen und der Nutzung neuester Forschungsergebnisse. Zentraler Baustein sind dabei die Innovationsforen, die Innovationsaktivitäten und die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle stimulieren sollen. In den kommenden Monaten arbeiten wir mit unseren Partnern –  u.a. ADLER Smart Solutions, upchain, Prostep, Chainstep, Ponton, FUNK Gruppe, RWE Innogy, NXP Semiconductors sowie die TUHH, HAW, Uni Hamburg und Bucerius Law School an der Identifizierung von Anwendungsszenarien und konkreten Hilfestellungen für die Implementierung blockchain-basierter Produkte und Geschäftsmodelle.

Wie weiter?

Als Hinleitung zum zweitägigen Innovationskongress im Spätherbst in Hamburg planen wir pro Monat ein Meetup zu Fachfragen aus verschiedenen Branchen.

Los geht es am 29.6.2017 ab 18 Uhr bei CMS Hasche Sigle Partners, Stadthausbrücke 1-3, Hamburg (hier geht es zur Anmeldung) mit der Frage „Wie beeinflusst die Blockchain-Technik Banken- und Finanzwesen?“.

Moderiert von Frank Bolten (Chainstep) wird Prof. Dr. Philipp Sandner (Frankfurt School of Finance) über Zahlungssysteme sprechen, Moritz Gerdes (Comdirect) über Geschäftsmodellinnovationen und Dr. Jörn Heckmann (CMS Hasche Sigle) über Smart Contracts.

Weitere Meetups sind in Planung und werden rechtzeitig bekanntgegeben.