Blockchain in Banking & Finance – Rückblick aufs Auftaktmeetup

Wer Werte in unseren althergebrachten Zahlungssystemen transferieren möchte, benötigt dazu immer eine zentrale Instanz, wie eine Bank oder einen Service wie Paypal. Sender und Empfänger müssen dieser Instanz als Intermediär vertrauen und tun das bereitwillig. Die Ansprüche an Sicherheit und Zuverlässigkeit sind hoch, die etablierten Systeme funktionieren entsprechend gut. Schließlich geht es um Geld und Werte und damit um Dinge, bei denen der Spaß im Zweifelsfall schnell vorbei ist. Mit der Blockchain Technologie hat sich ein “Gamechanger” in die Finanzwelt eingebracht, der den gesamten Status Quo zumindest in der Theorie in Frage stellt. Bewährte Geschäftsmodelle erscheinen auf einmal gar nicht mehr so zukunftssicher und wasserdicht. Auf der anderen Seite erleben wir gerade eine auf vielen Ebenen atemberaubende Entwicklung die sich anschickt mit Ideen und Möglichkeiten um die Ecke zu kommen, die bisher für unmöglich gehalten wurden. Mit diesem Szenario gingen wir mit unseren über 70 Gästen in unser Premiere- bzw. Auftaktmeetup.

Hype oder Game-Changer?

Bei Moritz Gerdes von comdirect ging es im ersten Beitrag dann auch gleich um Blockchain-basierte Innovationen und Zukunftsszenarien der Banken. Selbige stehen in diesen Tagen nicht zuletzt durch niedrige Zinsen, schärfere Regulatorik, aufkeimende Startups und Digitalisierung schon ausreichend unter Druck. Und jetzt kommt die disruptive Blockchain-Technologie hinzu.

Blockchain bietet aber auch große Chancen. Die Technologie hilft, Transaktionskosten zu minimieren und kann zu effizienteren Märkten führen. Wenn sich der Hype bewahrheitet, stehen Einsparpotenziale von etlichen Milliarden Euro pro Jahr für die Banken im Raum. Das aus vielen namhaften Großbanken bestehende R3 Consortium forscht seit einiger Zeit mit dem Projekt Corda daran, internationale Finanztransfers billiger und effizienter zu machen.  comdirekt arbeitet selbst an einem Blockchain-Usecase für Peer-to-Peer Trading von CFDs mit Risikobegrenzung. Teilnehmer können Finanzkontrakte selbst emittieren und ohne Intermediär untereinander direkt handeln. Der erste Test lief auf Ethereum, was sich jedoch als nicht perfomant genug erwies, die zweite Testreihe wird über die von Linux und IBM unterstützte Hyperledger-Blockchain abgewickelt.

Durch die besondere Eigenschaften ist die Blockchain-Technologie insgesamt für den Einsatz in der Finanzbranche prädestiniert. In der Theorie ließen sich durch die verbesserte Sicherheitsarchitektur operative Prozesse vereinfachen, dennoch sind noch einige regulatorische Hürden zu überwinden.

Sind Smart Contracts Recht?

Smart Contracts sind zweierlei, je nachdem ob man sie aus Richtung der IT oder aus Richtung des Rechts betrachtet. Dr. Jörn Heckmann, Rechtsanwalt beim Gastgeber des Meetups, CMS Hasche Sigle, erkennt die Notwendigkeit dieser Unterscheidung hin. Nicht alles was technisch möglich ist, ist durch geltendes Recht legitimiert. Die Digitalisierung stößt generell in Bereiche vor, in die die Rechtsprechung noch nicht vorgedrungen ist und die Blockchain macht da keine Ausnahme. Ein Smart Contract, der bei Erfüllung von Bedingungen von zwei Vertragsparteien eine Transaktion auslöst, ist schlussendlich Legislative und Exekutive in einer Instanz. In einer Gesellschaft, in der wir an dieser Stelle bewusst eine Trennung fordern, wirft diese Erkenntnis den Wunsch nach Regulierung auf. Auch die Frage nach Datenschutz stellt sich. Alles was einmal in eine Blockchain geschrieben wurde steht dort tendenziell bis in alle Ewigkeit. Ein Smart Contract auf Ethereum verschwindet nicht, wenn der Rechner ausgeschaltet wird. Er besteht unveränderlich weiter, auch wenn sich vielleicht die Umstände geändert haben. Allerdings sind Smart Contracts der logische nächste Schritt in einer Welt, in der Verträge digitalisiert und automatisiert werden.

Wie effizient ist das derzeitige Zahlungssystem?

Prof. Dr. Philipp Sandner leitet das Frankfurt School Blockchain Center an der Frankfurt School of Finance & Management. Ihn beschäftigt der Umstand, dass mit der Blockchain und den Kryptowährungen ein neues Finanzsystem ohne Regulierung entstanden ist, in dem auch zusätzlich Maschinen untereinander handeln können. Transaktionskosten gehen potenziell gegen Null, Kryptowährungen konvergieren in die reale Welt, Startups sammeln mit Crowdfunding bzw. ICOs wahnsinniges Kapital für ihre Ideen ein, auch wenn in manchen Fällen nur ein Konzept präsentiert wurde. Insgesamt müssen Banken und Intermediäre ihre Geschäftsmodelle überdenken, wenn sie Teil dieser Entwicklung sein möchten. Die Wege von Kapital verschieben sich. Geld fließt in Größenordnungen in Kryptowährungen, dass diese mit ihrer Kapitalisierung mittlerweile im DAX mitspielen könnten:

Insgesamt lassen sich weite Teile der Betriebswirtschaftslehre automatisieren. Viele Proof of Concepts entwickeln sich in Bereichen wie Prozessoptimierung, Verwaltung von digitalen Assets und nicht zuletzt im Bereich von Informationsspeicherung und Validierung (Stichwort Know your Customer KYC). Aber auch wenn die Freiheit und die Erfolge von Kryptowährungen und ICOs derzeit beachtlich sind, so sind bestehende Rechtssicherheit und Stabilität nicht unbedingt Nachteile. Überregulierung ist indes innovationsfeindlich.

Große Diskussion

Die anschließende Paneldiskussion, die Fragen der Gäste und die Bereitschaft zur Diskussion zeigten den Wunsch aller, sich mit der Blockchain bewusst, mit inhaltlicher Tiefe und auch kritisch auseinanderzusetzen. Als Innovationsforum wünschen wir uns genau diesen Austausch und bedanken uns hiermit nochmal bei allen Gästen, unseren großartigen Sprechern Moritz Gerdes, Dr. Jörn Heckmann, Prof. Dr. Philipp Sandner und unserem Moderator Frank Bolten. Und ein großes Dankeschön an CMS Hasche Sigle Hamburg für die Gastfreundschaft.

 

Mitschnitte der Vorträge des Abends

Distribute 2017

Die Blockchain-Szene ist zur Zeit nicht gerade arm an Events, Konferenzen und Meetups. Dennoch ließ es sich das Team vom Innovationsforum nicht nehmen, auf der allerersten DISTRIBUTE-Blockchain-Konferenz in der Bucerius Law School in Hamburg mit Team und Partnern vor Ort zu sein.

Nach der Eröffnung von Organisator Tobias Worzyk (Blockchain Competence Center) hielt Frank Bolten (Managing Partner Chainstep) den ersten von knapp 20 Vorträgen. Der Blockchain-Experte gab einen genauen Einblick in das Setup beim SAMPL-Projekt, welches Produktionsprozesse mittels Blockchain sicher und nachvollziehbar machen möchte. Insbesondere der 3D-Druck bietet hier viele Möglichkeiten, aber auch Herausforderungen. Lucas Cremer (Chainstep) skizzierte kurz danach seine Vision vom kommenden Energiemarkt. Durch die Nutzung der Blockchain könnten Endverbraucher und Produzenten direkt Daten und Zahlungen austauschen und somit das Ablese-Kartell (vier Firmen teilen sich 80% des Marktes in Deutschland) brechen. Im Foyer konnten beide Projekte von den BesucherInnen noch einmal genauer in Augenschein genommen werden.

 

Ein weiterer Vortragender aus dem Netzwerk des Innovationsforums war Dr. Michael Merz für Ponton. Das Hamburger Softwareunternehmen hatte im vergangenen Jahr mit Enerchain den ersten Energiehandel auf der Blockchain simuliert, im vierten Quartal diesen Jahres soll die Lösung nun für einen Teil der 25 Projektpartner live gehen. Darüber hinaus skizzierte der geschäftsführende Gesellschafter den Energiemarkt nach der Energiewende, wenn lokale Grids über smarte Verbraucher, Batterien und Autos bottom-up und nicht mehr top-down optimiert werden. Darüber hinaus sprachen Prof. Dr. Philipp Sandner von der Frankfurt School of Finance & Management (ebenfalls Speaker bei unserem ersten Meetup am 29. Juni) über Blockchain-Einsatzmöglichkeiten in Entwicklungsländern und Prof. Dr. Volker Skwarek von der HAW Hamburg über die internationalen Blockchain-Standardisierungsbemühungen.

Am Rande der Veranstaltung wurde die geplante Gründung des „Branchenverbandes Blockchain“ bekannt. Aus dem Netzwerk des Innovationsforums ist hier u.a. Chainstep als Gründungsmitglied vertreten.

Blockchain + Banking – Innovationsforum Blockchain Meetup 29.6.17, Hamburg

Wer schon ein klein wenig von der Blockchain-Technologie versteht, kommt schnell auf viele Usecases im Finanzbereich. Kein Wunder, denn die Mutter aller Blockchains, Bitcoin, sorgt nach wie vor mit seinen Kursrallyes und den Möglichkeiten, Bankdienstleistungen auch in unterentwickelte Länder zu bringen, für Schlagzeilen. Auch deshalb widmet sich das erste Meetup des „Innovationsforum Blockchain“ am 29 Juni ab 18 Uhr in den Räumen der Rechtsbertung CMS Hasche Sigle (Stadthausbrücke 3-7, Hamburg) der Finanzwelt.

Wir freuen uns sehr, Prof. Dr. Philipp Sandner von der Frankfurt School of Finance als Speaker begrüßen zu dürfen. Er spricht beim Meetup zum Thema Zahlungssysteme. Hier sorgte zuletzt vor allem Ripple durch Hinzunahme von zehn weiteren Banken und Finanzdienstleistern Ende April diesen Jahres für Aufsehen. Als Alternative für das internationale Interbanken-Settlement senkt die Firma mit Büros in den USA, UK, Luxemburg und Australien durch den Einsatz von Blockchain die Kosten für den internationalen Zahlungsverkehr und arbeitet an der Vision, den Austausch von Werten mit denen von Kommunikation (beispielsweise in Echtzeit bei Twitter) im Internet of Value (IoV) auf eine Stufe zu stellen.

Moritz Gerdes von der comdirect Bank AG referiert am Abend zu Geschäftsmodellinnovationen.  Einerseits schließen sich etablierte Player bereits in Konsortien wie R3 zusammen, um den Einsatz von Blockchain voranzutreiben. Zuletzt verließen aber einige namhafte Banken den Zusammenschluss und es bleibt abzuwarten, welche Implementierungen das Konsortium tatsächlich realisieren wird. Im Consumerbereich drängen branchenfremde Technologieanbieter wie Abra in die Welt der Banken vor – derzeit jedoch völlig frei von regulatorischen Auflagen. Durch den kombinierten Einsatz einer Smartphone-Wallet-App, der Zusammenarbeit mit lokalen Wechselstuben/Händlern und dem Bitcoin-Netzwerkes geraten „Platzhirsche“ wie Western Union bereits unter Druck.

Von der gastgebenden Kanzlei CMS spricht Dr. Jörn Heckmann über Smart Contracts. Auch hier ist zuerst die Enterprise Etherum Alliance zu nennen, in der sich knapp 90 Firmen und Startups aus den Bereichen Technik, Consulting und Finanzen zusammengeschlossen haben, um den Einsatz dieser selbtsablaufenden und nicht stoppbaren Programme im Enterprise-Bereich zu prüfen. Æternity denkt die Smart Contracts noch sehr viel weiter: Durch die Hinzunahme von Orakeln (externe Daten oder Verifikationen) können Blockchains noch für viele weitere Branchen und Anwendungsfälle relevantwerden. Es bleibt abzuwarten, ob Ethereum wie geplant im Sommer/Herbst weitere Entwicklungsschritte folgen lassen kann und die Technik weiter popularisiert.

Moderiert wird der Abend von Frank Bolten von der Chainstep GmbH. Die Firma ist seit Start des „Innovationsforum Blockchain“ als Partner dabei und unterstützt uns mit aktuellen Usecases und bei der Entwicklung von Branchen-Metriken.

Hier geht es zur Anmeldung für das Meetup.

Hello, world – Das Innovationsforum Blockchain startet

Das „Innovationsforum Blockchain“ ist da. Wir werden vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert und unterstützen kleine und mittlere Unternehmen (KMUs) dabei, die Potenziale der Blockhain-Technologie für ihre Produktentwicklung und zukünftigen Geschäftsmodelle in mehreren Meetups und einem zweitägigen Kongress kennenzulernen. Wir hoffen, in dieser Zeit zu konkreten Projekten und dauerhaft engen Kooperationen inspirieren zu können.

Warum Blockchain?

Die Blockchain-Technologie ist ein Ansatz zur Automatisierung von Geschäftsprozessen mit einer garantierten Ausführung. Ein digitales und kryptographisch abgesichertes „Kassenbuch“ erlaubt den Austausch von Werten auf Basis von Peer-to-peer. Die Beteiligten müssen sich dank des einprogrammierten Vertrauens nicht kennen. Dadurch werden völlig neue Geschäftsmodelle, bis hin zu zwischen Maschinen ausgehandelte „Smart Contracts“ möglich.

Das kann den deutschen Mittelstand nicht kalt lassen. Gemeinhin wird viel von der Digitalisierung gesprochen, die Blockchain bietet in Kombination mit dem Innovationsforum konkrete Möglichkeiten, Deutschland fit in Hightech zu machen und die digitale Zukunft aktiv zu gestalten. Während sich die Blockchain-Welt in den letzten Monaten rasant weiterentwickelt hat, müht sich die Wirtschaft, bei der Entwicklung neuer Geschäftsfelder Schritt zu halten.

Warum Innovationsforen?

Mit dem Zehn-Punkte-Programm „Vorfahrt für den Mittelstand“ fördert das Bundesforschungsministerium KMU bei der Entwicklung neuer Ideen und der Nutzung neuester Forschungsergebnisse. Zentraler Baustein sind dabei die Innovationsforen, die Innovationsaktivitäten und die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle stimulieren sollen. In den kommenden Monaten arbeiten wir mit unseren Partnern –  u.a. ADLER Smart Solutions, upchain, Prostep, Chainstep, Ponton, FUNK Gruppe, RWE Innogy, NXP Semiconductors sowie die TUHH, HAW, Uni Hamburg und Bucerius Law School an der Identifizierung von Anwendungsszenarien und konkreten Hilfestellungen für die Implementierung blockchain-basierter Produkte und Geschäftsmodelle.

Wie weiter?

Als Hinleitung zum zweitägigen Innovationskongress im Spätherbst in Hamburg planen wir pro Monat ein Meetup zu Fachfragen aus verschiedenen Branchen.

Los geht es am 29.6.2017 ab 18 Uhr bei CMS Hasche Sigle Partners, Stadthausbrücke 1-3, Hamburg (hier geht es zur Anmeldung) mit der Frage „Wie beeinflusst die Blockchain-Technik Banken- und Finanzwesen?“.

Moderiert von Frank Bolten (Chainstep) wird Prof. Dr. Philipp Sandner (Frankfurt School of Finance) über Zahlungssysteme sprechen, Moritz Gerdes (Comdirect) über Geschäftsmodellinnovationen und Dr. Jörn Heckmann (CMS Hasche Sigle) über Smart Contracts.

Weitere Meetups sind in Planung und werden rechtzeitig bekanntgegeben.